Warum du oft nicht unter der Realität leidest sondern unter deinen eigenen Gedanken

Selbstregulation · Nervensystem · Gedanken und Gefühle · Unsicherheit aushalten · Selbstführung für Frauen

Am Samstag hatten Freunde meine Katze zum letzten Mal gesehen.

Wir waren unterwegs. Niemand wusste, wo sie war.

Und je länger sie verschwunden blieb, desto lauter wurde es in meinem Kopf.

Vielleicht ist ihr etwas passiert. Vielleicht hat sie sich verlaufen. Vielleicht kommt sie nicht mehr zurück.

Das Interessante daran? Nichts davon war passiert. Es waren nur Möglichkeiten. Und trotzdem fühlten sie sich plötzlich erschreckend real an.

Als wir nach Hause kamen und ihr Lieblingsplatz leer blieb, wurde mir etwas bewusst:

„Mein Leiden entstand nicht durch die Realität. Es entstand durch die Geschichte, die mein Kopf aus der Unsicherheit gemacht hatte.“

Und genau das tun wir Menschen jeden Tag.

 

Warum dein Nervensystem Unsicherheit so schwer aushält

Unser Gehirn liebt Sicherheit. Oder genauer gesagt: Es hasst Unsicherheit.

Sobald Informationen fehlen, fängt es an, die Lücken zu füllen. Nicht unbedingt mit Wahrheit – sondern mit Annahmen. Mit Szenarien. Mit Geschichten.

Aus evolutionärer Sicht ergibt das absolut Sinn. Für unsere Vorfahren war es oft lebensrettend, vom schlimmsten Fall auszugehen.

Heute führt dieser Mechanismus unseres Nervensystems jedoch dazu, dass wir uns über Dinge sorgen, die noch gar nicht passiert sind.

Was in deinem Körper passiert, wenn du Worst-Case-Szenarien denkst

Wir führen Gespräche im Kopf, die nie stattfinden werden. Wir trauern um Dinge, die wir noch gar nicht verloren haben. Und manchmal treffen wir wichtige Entscheidungen auf Basis von Geschichten, die nie wahr waren.

Das ist keine Schwäche. Das ist dein Nervensystem, das tut, was es gelernt hat.

Und gleichzeitig: Es ist nicht die Wahrheit.

 

Die einfache Frage, die sofort mehr Klarheit bringt

Während ich dort saß und meine Gedanken immer lauter wurden, stellte ich mir irgendwann eine einzige Frage:

„Ist das gerade wahr oder erzählt mir mein Kopf eine Geschichte, weil Ohnmacht so schwer auszuhalten ist?“

Sofort wurde es stiller. Nicht, weil die Situation gelöst war. Sondern weil ich zwischen Realität und Interpretation unterscheiden konnte.

Was war wirklich wahr in diesem Moment?

Meine Katze war nicht da. Mehr wusste ich nicht. Alles andere waren Geschichten.

Und genau hier beginnt echte Selbstführung. Nicht dort, wo wir alles wissen. Sondern dort, wo wir ehrlich anerkennen: Ich weiß es noch nicht.

 

Was Vertrauen wirklich bedeutet und warum es nichts mit Kontrolle zu tun hat

Viele Frauen, die ich begleite, glauben: Vertrauen bedeutet, sicher zu sein, dass alles gut ausgeht.

Das ist keine Form von Vertrauen. Das ist Kontrolle.

Echtes Vertrauen beginnt erst dort, wo das Ergebnis noch unbekannt ist. Wo wir keine Garantie haben. Und trotzdem bereit sind, offen zu bleiben.

Was dein Herz weiß, wenn dein Kopf laut ist

Mein Herz flüsterte mir an diesem Nachmittag etwas ganz anderes zu als mein Kopf. Es sagte:

„So oder so darfst du dankbar sein für die gemeinsame Zeit.“

Nicht weil die Situation vorbei war. Nicht weil ich loslassen musste. Sondern weil Liebe und Vertrauen auch dann existieren dürfen, wenn wir keine Antworten haben.

Das ist kein spirituelles Konzept. Das ist emotionale Regulation in ihrer tiefsten Form: bei sich bleiben, auch wenn das Ergebnis noch offen ist.

 

Selbstregulation heißt nicht: Gefühle loswerden

Wenn wir uns bedroht fühlen, möchte unser Nervensystem sofort eine Lösung. Es will Kontrolle. Sicherheit. Gewissheit.

Aber nicht jede Situation lässt sich sofort lösen. Manche Situationen wollen gehalten werden.

Was bei dir bleiben im Alltag wirklich bedeutet

Selbstregulation bedeutet nicht, unangenehme Gefühle zu unterdrücken oder wegzudenken. Es bedeutet, lernen, bei ihnen zu bleiben.

Mit der Angst. Mit der Unsicherheit. Mit dem Nicht-Wissen. Ohne sofort eine Geschichte daraus machen zu müssen.

Denn innerer Frieden entsteht oft nicht dadurch, dass wir Antworten finden. Sondern dadurch, dass wir aufhören, Antworten zu erzwingen.

Körperbewusstsein als Anker in der Unsicherheit

Wenn der Kopf laut wird, hilft manchmal eine einzige Frage an den Körper: Was spüre ich gerade – und wo?

Nicht um das Gefühl zu lösen. Sondern um wieder in Kontakt zu kommen. Mit dir. Mit dem, was wirklich ist.

 

Leichtigkeit ist kein Zustand, den du erreichst. Es ist eine Entscheidung.

Lange dachte ich, Leichtigkeit bedeutet, dass Dinge einfach laufen. Dass das Leben keine Überraschungen bereithält. Dass nichts schiefgeht.

Heute glaube ich etwas anderes.

Leichtigkeit entsteht nicht, wenn alles kontrollierbar ist. Sie entsteht, wenn wir aufhören, jede Unsicherheit kontrollieren zu wollen.

Wenn wir lernen, das Leben nicht ständig vorwegzunehmen. Wenn wir aufhören, Kapitel zu bewerten, bevor wir wissen, wie sie ausgehen.

„Nicht weniger fühlen. Sondern mehr vertrauen.“

 

Das Ende der Geschichte und was ich dabei gelernt habe

Ein paar Stunden später machte ich Mittagsschlaf. Und als ich aufwachte, stand sie plötzlich im Schlafzimmer. Laut miauend. Als wäre nie etwas gewesen.

Ich musste lachen.

Nicht nur, weil sie wieder da war. Sondern weil mir plötzlich klar war: Die schwierigsten Stunden dieses Tages hatten nicht in der Realität stattgefunden. Sondern in meinem Kopf.

 

Was das für dich bedeutet

Nicht alles, was sich wahr anfühlt, ist wahr

Vielleicht kennst du das. Eine Nachricht bleibt unbeantwortet. Ein Mensch zieht sich zurück. Ein Plan funktioniert nicht wie gedacht.

Und sofort beginnt der Kopf, Geschichten zu schreiben.

Zwischen dem, was passiert ist, und dem, was wir daraus machen, liegt oft ein großer Unterschied. Und genau in diesem Raum liegt deine Freiheit.

Selbstliebe · Selbstregulation · Selbstführung – drei Dinge, die zusammengehören

Selbstliebe bedeutet nicht, immer positiv zu denken. Selbstregulation bedeutet nicht, nichts mehr zu fühlen. Selbstführung bedeutet, die eigene Geschichte zu bemerken, bevor sie zur Wahrheit wird.

Und Lebensfreude? Sie entsteht vielleicht genau dort: In dem Moment, in dem wir aufhören, um ungelegte Kapitel zu trauern. Und stattdessen neugierig bleiben, wie die Geschichte wirklich weitergeht.

 

Du erkennst dich hier wieder?

Dann ist vielleicht mein Buch ‚Die Frau, die beinahe verschwand‘ dein nächster Schritt. Eine Geschichte für Frauen, die alles richtig machen und sich trotzdem leer fühlen.

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