Der Jakobsweg – wenn aus einer verrückten Idee Wirklichkeit wird!
2019 Jan 15/ By / 0 comment

„Reisen heißt, an ein Ziel kommen; wandern heißt, unterwegs sein.” – Theodor Heuss

Abstand. Ich sehnte mich nach Abstand zu allem, dem Alltag zu entfliehen, aus der Konsumwelt auszubrechen und stattdessen den Ruf der Freiheit zu folgen und dabei die einzigartige Natur zu fühlen.

Körperlich an meine Grenzen zu stoßen und vielleicht auch darüber … Ohne zu wissen, was das mit mir macht und ob ich die absolute Ruhe als gespenstisch oder himmlisch empfinden werde.

So entstand die Idee vom Jakobsweg. Es war eine verrückte Idee, die gar nicht so richtig zu mir passt. Aber, wenn mein Herz sich nach etwas sehnt, dann kann ich es nicht auf Dauer ausschlagen. Nach langem Zögern habe ich den Mut gefunden meinen Weg zu gehen und wie auch Hape Kerkeling vor mir, dessen Reisebericht mich sehr inspiriert hat, war ich „dann mal weg”.

Die Suche nach dem Sinn

Vor mehr als 15 Jahren machte ich mich auf die Suche nach mir und meinem Sinn des Lebens. Damals wurde mir bewusst, dass ich eine Tür öffnete, wo es kein zurück mehr gab. Es sei denn, ich wollte mich selbst belügen. Und so wandere ich seitdem auf einem Weg, der seine Höhen und Tiefen hat. Manchmal überwältigt von seiner Schönheit und manchmal trotzig, weil ich nicht weiter will. Natürlich weiß ich, dass ein Kampf gegen die Dinge die sind, und damit das Leben, ohne Erfolgsaussichten ist, aber dies hindert mich oftmals nicht daran, zu kämpfen. Und so kämpfte ich auch seit Jahren gegen die verrückte Idee, Hunderte Kilometer wandernd durch ein fremdes Land zu reisen und Unterschlupf in Herbergen zu finden, fernab von aller Bequemlichkeit. So lockt die Welt doch mit viel spannenderen und luxuriöseren Zielen …

Im Nachhinein muss ich allerdings feststellen, dass der Zeitpunkt goldrichtig war, und dass diese außergewöhnliche Reise mir mehr im Gedächtnis bleiben wird als viele andere. Es war viel mehr als nur eine Reise, es war ein Abenteuer, eine körperliche Herausforderung und ein Test für meine Beziehung. Deshalb machte sie mich vermutlich auch lange Zeit nervös, diese Idee vom Jakobsweg … Doch Mut ist es eben trotzdem weiterzugehen und am Ende stolz sein zu können.

 

Mein Partner ist mein Fels in der Brandung

Aber ich hätte mir gar keine Sorgen machen müssen, denn meine Beziehung hat diesen Test glücklicherweise bestanden. Zudem hat mir dieses Abenteuer auch in vielen Punkten die Augen geöffnet. Vor Reisebeginn hätte ich beispielsweise nie gedacht, dass mein Partner viel genügsamer und entspannter ist als ich, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Er ist mein bester Travelbuddy. Als ich nicht weiter wollte, hat er mich motiviert. Als wir nichts Anständiges zu Essen gefunden haben, hat er mich aufgebaut. Er hat mir stets mein Tempo gelassen. Es war schön zu erleben, dass unser Tempo harmonisch und unsere Ziele gleich waren. Einmal mehr habe ich gespürt, wieso ich diesen Mann liebe und dieses gemeinsame Abenteuer hat uns umso mehr zusammengeschweißt.

Was die körperliche Herausforderung angeht, so habe ich treu nach dem Motto „no pain, no gain” auf dem Jakobsweg für mich gelernt, dass mich Schmerzen ins Hier und Jetzt katapultieren und es gut ist, diese Gefühle auch anzunehmen und fließen zulassen (am liebsten schreiend!).

Schön war es zu verstehen, dass der Weg das Ziel ist und unter meinen Füßen entsteht. Nichts habe ich mir so oft ins Gedächtnis gerufen wie das.

Eine Reise ins innere Ich

Der Jakobsweg inspiriert. Und so kam es, dass ich bereits gleich auf den ersten 10 Kilometern das für mich beste Gespräch hatte. Es ging schon seit einiger Zeit bergauf, natürlich mit dem Rucksack auf dem Rücken:

Sag mal Larissa, wieso mache ich das eigentlich? Wieso bin ich überhaupt hier?

  • Das kann ich dir nicht beantworten. Ich kann dir nur sagen, wieso ich hier bin. Deine Antwort musst du finden…“

 

Alles in allem, war es eine Reise, die mir einmal mehr gezeigt hat, dass ein Hotel kalt und eine Herberge warm sein kann, denn es sind die Menschen, die den Unterschied ausmachen und einen Ort mit Herzlichkeit füllen.

Es war eine persönliche Reise. Es war eine Reise zurück in die Vergangenheit. Es war eine Reise, die ich in meinem Herzen tragen werde und ich weiß gewiss, ich werde den Camino wiedersehen … irgendwann, wenn er mich erneut ruft. Ich hoffe nur, dass bis dahin keine 10 Jahre ins Land gehen …